Was
Sozialrendite (oft auch Social Return on Investment, kurz SROI, genannt) bezeichnet den gesellschaftlichen Mehrwert, der durch Investitionen in soziale Projekte oder Programme entsteht. Anders als bei rein ökonomischen Renditeberechnungen steht hier nicht nur der finanzielle Gewinn im Vordergrund, sondern vor allem der positive Effekt auf Individuen, Gemeinschaften und die Gesellschaft. Dazu zählen beispielsweise höhere Bildungsabschlüsse, bessere Gesundheitsversorgung, geringere Arbeitslosigkeit oder gesteigerte Lebensqualität in benachteiligten Regionen.
Zentral ist dabei die Idee, dass bestimmte Investitionen in Bildung, Gesundheit, Soziales, Umwelt usw. langfristig auch volkswirtschaftliche Vorteile bringen und soziale Kosten reduzieren können – etwa indem zukünftige Ausgaben im Gesundheits- oder Sozialbereich sinken.
Wie
Investitionen in Bildung
Die deutsche Bundesregierung fördert seit Jahren Programme im Bereich frühkindliche Bildung, Ganztagsschulen oder duale Ausbildung. Diese Maßnahmen können als Investition mit einer hohen Sozialrendite verstanden werden, weil sie langfristig den Fachkräftemangel lindern und soziale Ungleichheiten verringern. Häufig wird hier auf Untersuchungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers James Heckman verwiesen, die allerdings in den USA durchgeführt wurden. Er kam auf Renditen von bis zu 7–10 US-Dollar pro investiertem Dollar in hochwertige frühe Bildungsprogramme SROI-Faktor: 7
Initiativen für soziale Innovationen und Start-ups
Über das Bundesprogramm Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt wurden Unternehmen bzw. soziale Träger gefördert, die Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt (z. B. Langzeitarbeitslose) unterstützen. Dadurch erhöht sich die soziale Inklusion, was langfristig zu geringeren Kosten für Transferleistungen führen kann. Manche Social Start-ups geben in ihren Berichten an, dass jeder investierte Euro 1,5–2 Euro an gesellschaftlichem Nutzen bringt, andere nennen bis zu 3 Euro. Das hängt stark vom Geschäftsmodell und der Erhebungsmethodik ab.
SROI-Faktor 2
Social Impact Bonds (SIB)
In einigen deutschen Städten (z. B. Mannheim, Augsburg) wurden Pilotprojekte zu Social Impact Bonds gestartet. Hier investieren private Geldgeber in ein soziales Projekt (z. B. Arbeitsvermittlung für Langzeitarbeitslose). Wenn die vereinbarten Erfolge erzielt werden, erstattet die öffentliche Hand den Investoren einen Teil des Kapitals zuzüglich einer Prämie zurück. Erreicht das Projekt seine Ziele nicht, gehen die Investoren leer aus. Für den Staat entsteht dadurch nur dann eine Kostenbelastung, wenn tatsächlich eine Sozialrendite – also gesellschaftlicher Nutzen – erzielt wurde. SROI-Faktor: es liegen noch keine Zahlen vor
Förderung von Energieeffizienz und Klimaschutz
Auch Investitionen in den Klimaschutz werden zunehmend unter dem Blickwinkel der Sozialrendite betrachtet. Programme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) für Gebäudesanierung oder erneuerbare Energien senken langfristig den CO2-Ausstoß, mindern Gesundheitsrisiken und schaffen Arbeitsplätze im Bereich grüner Technologien. Manche Studien sprechen von 1,5–2,5 Euro volkswirtschaftlichem Nutzen pro investiertem Euro in Gebäudesanierungen (wenn man alle Effekte zusammenrechnet), aber das sind Modellrechnungen mit unterschiedlichen Annahmen. SROI-Faktor: 2
Sportförderung
Laut einer Studie des Handelsblatt Research Institute (2024) zum Amateurfußball in Deutschland (im Auftrag des DFB) hat insbesondere der Amateurfußball einen hohen gesellschaftlichen Nutzen. Neben den positiven Effekten auf Gesundheit und Prävention (z. B. weniger Krankheitsausfälle) trägt die breite Sportbasis zur sozialen Integration und zum Ehrenamt bei.
Durch den regelmäßigen Kontakt in Vereinen entstehen soziale Netzwerke, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und soziale Ungleichheiten reduzieren können. Dies führt zu einem sogenannten „Social Return on Investment“, da Gesundheitskosten sinken, das freiwillige Engagement gestärkt wird und gesellschaftliche Konflikte präventiv abgemildert werden können. Investitionen: 125 Millionen, gesellschaftlicher Mehrwert 13,9 Milliarden. SROI-Faktor:1000
Armutsbekämpfung
Maßnahmen zur Armutsbekämpfung können sich weitestgehend selbst finanzieren. So lautete der Schluss einer britischen Studie im Jahr 2008. Kinderarmut in Deutschland zu beenden, würde 20 – 24 Milliarden Euro kosten. Berücksichtigt man aber die Folgekosten von Kinderarmut, die eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mit etwa 110 bis 120 Milliarden Euro beziffert, ergibt sich ein Einsparungs- und damit Gewinnpotential für das Land von 86 bis 100 Milliarden Euro.
Wo
Berichte und Studien zum Thema Wirkungsmessung und Sozialrendite, Bertelsmann Stiftung https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/impact-investing/projektthemen
KfW – Informationen zu Förderprogrammen für Gebäudesanierung und erneuerbare Energien, die langfristig gesellschaftlichen Nutzen (Sozialrendite) bringen https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/
Wissenschaftliche Dienste des Bundestags erklären das Konzept, Chancen und Risiken von Social Impact Bonds in Deutschland
https://www.bundestag.de/resource/blob/562144/2c5dd6ecc79f004c4f5876f5b98b0b14/WD-4-113-18-pdf-data.pdf
Sozialrendite des Amateurfussballs https://research.handelsblatt.com/sliderel/sozialrendite-des-amateurfussballs/ James Heckman - frühlindliche Bildung
Telepolis:# Soziale Rendite: Warum sich Menschlichkeit auch finanziell rechnet